figuren theater tübingen

Mit riesengrossen Flügeln

Der Regen verdampft und im Schlamm des Hinterhofs rührt sich
ein hinfälliges Etwas mit riesengroßen Flügeln.

So fing damals alles an für Pelayo und Elisenda in ihrem Dorf irgendwo zwischen
Urwald und Meer und für das fiebernde Kind. Der störrische hinfällige
"Engel" (wie sollte man sonst ein menschenähnliches Wesen mit
Flügeln nennen?) wird in den Hühnerstall gesperrt und verändert
ohne eigenes Zutun die Lebensumstände seiner Umgebung. Eine lebens-
kluge Nachbarin wie auch der Priester fühlen sich zu Erklärungen und Unter-
suchungen berufen. Die Kunde von der überraschenden Neuigkeit verbreitet sich
in Windeseile. Erwartungen werden an die fremde Erscheinung geknüpft. Zweifel-
hafte Wunder bewirken unzweifelhaftes Aufsehen. Die Geschehnisse eskalieren
und hinterlassen eine veränderte Welt.

Halb träumend, halb erinnernd versammelt ein Erzähler Versatzstücke dieser
Welt zu einem Geflecht magisch-skurriler Wirklichkeit. Und nicht nur
er erinnert sich sondern auch das Boot, die Spinne, der Hocker,
der Torf. Assoziationen verselbständigen sich, übernehmen als
Gedankenfiguren die Handlung, bedrängen und verflüchtigen sich
in sinnlich reichen wie irritierenden Erlebnisräumen.

In einem phantastisch-surrealen Spiel vermischen sich die Ebenen von
Schauspiel und Figurentheater zu einer magischen Bühnenwelt, in der
am Ende alles zu leben scheint.

Die Umrisse einer Alltagswelt verschwimmen und unter dem uns Sicher-
heit gebenden Wissen klappen Falltüren auf.

"Die Dinge sehen dich an und fordern auf, dich zu verändern" (Rilke).

Eine Koproduktion mit dem Staatstheater Stuttgart

Erzähler: Enno Podehl
Figurenspiel: Karin Ersching, Karin Ould Chih, Ulrike Andersen
Musik: rat`n`X (Johannes Frisch und Stefan Mertin)
Kostüme: Steffen Flohr
Regie: Frank Soehnle

Premiere: 22.02.2003, Theater im Depot, Stuttgart
Premiere der Gastspielvariante: 25.02.2005, Foyer U3, Reutlingen